lernberatung vortrag

Es gibt keine dummen Kinder…

…davon ist Kerstin Poffo überzeugt. Die Evolutionspädagogin aus Kirchheim bei München macht Kinder fit fürs Leben und ihre Eltern glücklich. Sie selbst spricht von einer 100-prozentigen Erfolgsquote – dennoch ist die „Disziplin“ Evolutionspädagogik noch ein Geheimtipp.

 

 

Hypermotorik, Rechts-Links-Störung, Unkonzentriertheit, Verweigerungshaltung und unter den darauffolgenden Verhaltensstörungen leiden mehr Kinder und Jugendliche als gedacht. Und nicht selten haben die Betroffenen – und deren Eltern – bereits eine Odyssee zu Ärzten, Pädagogen und Psychologen hinter sich. Oftmals mit der unbefriedigenden Erkenntnis der Eltern: „Mein Kind ist nun einmal so, da kann man nichts machen“.

In vielen Fällen wird als vermeintlich letztes Mittel zu Medikamenten gegriffen. Ritalin heißt dann das Zaubermittel. Von 1993 bis 2012 hat sich der Verbrauch des ADHS-Mittels in Deutschland laut Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte mehr als verfünfzigfacht. Erst seit 2013 ist ein leichter Rückgang zu beobachten, dennoch werden immer noch mehr als 1,5 Tonnen Methylphenidat, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin, verbraucht. Von einer Trendwende wollen Experten jedoch nicht sprechen. Der Grund für den leichten Rückgang liegt eher daran, dass Ritalin und seine Nebenwirkungen zuletzt verstärkt in die Kritik gekommen sind.

Wenn die Schulmedizin ratlos ist

Das sieht auch Kerstin Poffo so. Die Evolutionspädagogin weiß, wovon sie spricht, denn auch sie hat den typischen Leidensweg als Mutter eines nicht „lernkonformen“ Kindes hinter sich. Jahrelang litt eines ihrer Kinder darunter, dass es sich immer wieder übergeben musste. Ob stress- oder krankheitsbedingt war – trotz unzähliger Besuche bei Ärzten, Uni-Kliniken und Psychologen – nicht klar. Da Poffo’s Nachwuchs dadurch mit der Zeit auch schulische Probleme bekam, rieten ihr die Ärzte sogar dazu, ihn auf eine Sonderschule zu schicken – und gleichzeitig medikamentös zu behandeln. Poffo entschied sich für einen anderen, ungewöhnlichen Weg – mit Erfolg. Ihr Kind hat ganz normal Abitur gemacht und ist mittlerweile Informatiker in einem großen Unternehmen. Der andere Weg hieß Evolutionspädagogik.

Die eigenen, positiven Erfahrungen mit dieser Therapiemethode waren für Kerstin Poffo – selbst ausgebildete Pädagogin – die Initialzündung, sich näher mit der Evolutionspädagogik zu befassen – und schließlich zum Beruf zu machen. „Eigentlich ist es eine Berufung geworden, denn es ist immer wieder erstaunlich und für mich und meine Klienten sehr befriedigend, wenn man sieht, mit welchen einfachen Bewegungsübungen Kindern geholfen werden kann“, bekräftigt Poffo und erklärt leidenschaftlich, wie der Ansatz funktioniert.

Evolution im Zeitraffer

Die Evolutionspädagogik wurde von Ludwig Koneberg vom Institut für Praktische Pädagogik in München vor mehr als 20 Jahren entwickelt. Koneberg verbindet die Erkenntnisse der Gehirn- und Lernforschung mit der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Die Idee dahinter: Es wird davon ausgegangen, dass jeder einzelne Mensch vom Zeitpunkt seiner Zeugung über die Zeit von Schwangerschaft und Geburt bis hin zum dritten und vierten Lebensjahr organisch und motorisch sieben Entwicklungsstufen der Evolution im Zeitraffer durchläuft: von der Fisch- über die Amphibien- und Reptilienstufe, dann der Säugetier- und Affenstufe bis hin zur Entwicklungsstufe Urmensch und schließlich zum modernen Menschen.

Während diesen Entwicklungsphasen werden die verschiedenen Bereiche des Gehirns vernetzt. Wurden gewisse Areale bei den Gehirnentwicklungsstufen nicht verbunden, können später Probleme auftreten. Doch für jede Stufe bietet die Evolutionspädagogik spezielle Bewegungsübungen. Damit ist es möglich, Entwicklungslücken zu schließen, nachzuholen oder zu integrieren.

„Das klingt so simpel, funktioniert das wirklich?“ Kerstin Poffo kennt solche skeptischen Fragen und schildert dann anschauliche Bespiele aus ihrer Praxis. So berichtet sie etwa von einem Kind, das – am Boden liegend – spielend ein Puzzle zusammensetzen konnte. Saß das Kind dann aber am Tisch mit den gleichen Puzzle-Teilen vor sich, war es plötzlich abgelenkt, unkonzentriert und unfähig, die richtigen Puzzle-Teile zu finden. Der Grund: Am Boden liegend musste das Gehirn nur zweidimensional denken. Auf dem Stuhl sitzend kam für das Kinderhirn eine dritte Dimension hinzu – der Abstand zum Fußboden. Und damit war es überfordert.

Mit einfachen Bewegungsübungen Blockaden lösen

Nach der Evolutionspädagogik liegt hier eine Blockade der Reptilienstufe vor. In dieser Entwicklungsphase geht es um die richtige Vernetzung bereits im Unbewussten. Diese Vernetzung ist wichtig, um mit Gegensätzlichkeiten wie Anspannung und Entspannung, Agieren und Reagieren, Aktivität und Passivität sowie mit dem Zusammenspiel von Auge und Bewegung richtig umgehen zu können. Um der Blockade entgegenzuwirken, helfen Überkreuzbewegungen, also beispielsweise dass beim Robben immer kreuzweise die rechte Hand und das linke Bein und dann die linke Hand und das rechte Bein gleichzeitig in der Vorwärtsbewegung sind.

Da in der Fisch-, Amphibien- und Reptilienstufe das Verhalten vom Unterbewusstsein gesteuert wird, können Kinder mit Blockaden dieser Entwicklungsstufen nicht verstehen, warum Eltern oder Lehrer auf Fehlverhalten wie zum Beispiel Unkonzentriertheit, Zappeligkeit oder Lustlosigkeit unwirsch reagieren. Auch Strafen helfen hier nichts, denn das Kind weiß nicht, was es falsch macht.

Und Poffo nennt ein weiteres Beispiel für typische – und sehr oft vorkommende – Blockaden: Hat ein Kind kein „Urvertrauen“ oder fühlt es sich nicht willkommen, liege einer Blockade in der ersten Entwicklungs-, der sogenannten Fisch-Stufe vor, erklärt Poffo. Besonders häufig haben hier Kinder Probleme, wenn sie per Kaiserschnitt oder mit Komplikationen geboren wurden, kann die Evolutionspädagogin immer wieder beobachten. Die Kinder haben nicht aktiv an der eigentlichen Geburt teilgenommen. Das brennt sich ins Unterbewusstsein ein – nach dem Motto: „Eigentlich kann ich nichts dafür, dass ich da bin. Ihr habt mich ja geholt“. Entsprechende Bewegungsübungen zum Ausgleichen dieses Defizits an Urvertrauen wären dann Wiegebewegungen, wenn man Bäuchlings auf dem Boden liegt – wie ein Fisch eben.

So reichen Lernberaterin Poffo meist schon ein oder zwei gemeinsame Stunden mit ihren Klienten aus, um zu erkennen, welche Entwicklungsphasen „verschüttet oder blockiert“ sind und welche Übungen sinnvoll sind, um die neurologischen Blockaden zu lösen und neue Vernetzungen im Gehirn zu ermöglichen. Wenn die Kinder dann mit ihren Eltern zu Hause die von Poffo vorgeschlagenen Bewegungsübungen ein paar Tage wiederholen, lösen sich die Blockaden und das Gehirn kann zeigen, was es kann. Hinter Blockade liegt oft ein Talent, welches bis dahin überhaupt nicht zu erkennen war, und so können Kinder plötzlich rechnen, die vorher auf Dyskalkulie, einer Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens, positiv getestet wurden.

 

Die sieben Entwicklungsstufen der Evolutionspädagogik

 

  1. Stufe: Fisch – Ursicherheit: Wichtig, um mit sich und dem Leben in Einklang zu sein.

 

  1. Stufe: Amphibie – Erlebnissicherheit: Hier entwickelt sich Neugier und die Fähigkeit, sich zurückzuziehen und damit sich schützen zu können.

 

  1. Stufe: Reptil – Körpersicherheit: Man lernt aufmerksam zu sein und zum richtigen Zeitpunkt blitzartig loslegen zu können.

 

  1. Stufe: Säugetier – Gefühlssicherheit: Emotionen werden richtig wahrgenommen. Das Gefühl für Nähe und Distanz entwickelt sich.

 

  1. Stufe: Affe – Gruppensicherheit: Man lernt, eigenständig zu handeln und sich gleichzeitig anpassen zu können.

 

  1. Stufe: Urmensch – Sprachsicherheit: Man bringt sich verbal in Position und lernt, mit der Sprache umzugehen.

 

  1. Stufe: Moderner Mensch – Empathiefähigkeit: Wichtig für den richtigen Umgang mit anderen Menschen.

 

 

 

Mehr Informationen zur Evolutionspädagogik und zu Kerstin Poffo erhalten Sie bei unseren Veranstaltungen und Abendseminaren.

 

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Lernen – Das Gehirn lernt nicht am Tisch

Es ist ein Irrglaube, dass unser Gehirn einfach nur alles kann, aber das Potential wäre dafür da. Die Befähigung und vor allem der Ursprung liegt laut Erkenntnissen aus der Hirnforschung im Vorgeburtlichen. Vor allem Sinneserfahrungen und unbewusste, reflexartige Bewegungen im Mutterleib bilden bereits die Verknüpfungen, welche wir später brauchen. Auch das Gleichgewicht wird hier durch immer neue Verlagerung im Mutterleib bereits geschult.

Lernen in der Komfortzone

Neuartige wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass auch hier bereits die ersten Grundlagen für das spätere Lernen gebildet werden. Leider finden diese Erkenntnisse nicht immer den Eingang in unser tägliches Tun. Weil, wie könnte man sich sonst erklären, dass Kinder in der Kinderkrippe bereits an einem großen Tisch im Kreis sitzen um zu essen. Ok. Jetzt könnte man den Ansatz der Pädagogen zumindest beim Essen noch nachvollziehen, wenn gesagt wird, dass die Kinder daheim auch am großen Tisch sitzen. Aber warum sitzen dann unsere Kleinen wieder am Tisch um was zu spielen? Gerade wenn Kinder noch nicht laufen können ist die Schulung der Sinne, der Wahrnehmung und das Gleichgewicht auf anderen Hirnstrukturen. Das Gehirn lernt auf der Ebene, auf der es die Bewegung steuern kann.

Vernetzung durch Wiederholung

Nur über das Tun kann Vernetzung entstehen, die wir später für das Lernen brauchen. Wenn wir Kinder nicht mehr wie einen Baum wachsen lassen, und zwar von unten nach oben, fehlt dem Gehirn die nötige Erfahrung über die Bewegung. Bewegung und Verknüpfung findet ständig statt. Selbst im Schlaf lernt das Gehirn. Nicht dass sie denken wir sollen Kindergartenkindern das Englischbuch mit ins Bett geben. Darum geht es nicht. Das Gehirn verarbeitet das „Gelernte“ vom Tag im Schlaf. Wichtige Dinge werden verknüpft und abgespeichert. Unwichtige Sachen „schmeisst“ das Gehirn einfach raus. Jetzt wäre noch zu klären nach welchem Gesichtspunkt das Gehirn abspeichert und löscht? Es geht immer um die Wiederholung. Unser „Computer im Kopf“ lernt nur durch die Wiederholung oder konnten sie durch 1 mal aufstehen – laufen? Durch 1 mal Inliner anziehen – fahren? Durch 1 mal im Wasser sein – schwimmen?

Ganz klar NEIN.

Schwimm- und Skilehrer machen es uns richtig vor, denn sie gehen mit den Kindern das gleiche jeden Tag üben. Und nach 1-2 Wochen kann es das Gehirn schon ein bisschen, oder fast schon gut. Wir aber denken, dass bereits kleine Kinder alles über die Sprache begreifen sollen. Dabei heißt es doch sogar richtig: BEGREIFEN. Das ist das anfassen, damit ausprobieren, es riechen, schmecken, fühlen. Sehen, dass wenn mir eine Melone herunterfällt, sie zerbricht. Geben Sie ihrem Kind seine Kindheit zurück und erwarten sie keinen kleinen Erwachsenen. Unsere Kinder zerbrechen sonst spätestens, wenn sie als Erwachsener nicht auf die Erfahrungen aus dem Kind sein zurückgreifen können.

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Lernberatung – Brett vor’m Kopf?

In einem kurzen Video, zeigen wir Ihnen welche Verhaltensweisen Kinder im täglichen Leben zeigen.

Wie Sie diese Aufbrechen erfahren Sie in einem persönlichen Termin in unserer Praxis!

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Lernberatung – Zeug zum Spielen

Oft werde ich von Müttern gefragt, welches oder wie viel Spielzeug überhaupt sinnvoll ist. Hier ein paar Tipps.

  1. Weniger ist mehr

Viele meinen es zu gut und überschütten ihr Kind oft mit massenhaft Spielzeug, um es zu fördern oder ihm eine Freude zu machen. Doch tatsächlich kann zu viel Spielzeug die Lust am Spielen und sogar die Neugier nehmen. Meist beschäftigt sich das Kind nur oberflächlich mit seiner neuen Errungenschaft – setzt sich aber gar nicht richtig damit auseinander. Es weiß ja, dass es bald wieder etwas Neues und Besseres gibt. Idealerweise aber (er-)findet das Kind immer neue Spielmöglichkeiten mit dem Gegebenen – das fördert Fantasie und Kreativität. Maximal 3-4 Spielzeuge sollten zur Auswahl stehen, diese kann man dann sinnvoll ergänzen oder austauschen. Der Rest sollte weggeräumt werden, um das Kind nicht unnötig abzulenken.

2) Man kann mit (fast) allem spielen

Oft bieten Dinge, die in unseren Augen gar kein „richtiges Spielzeug“ sind, viel mehr Möglichkeiten als Gekauftes. Das ideale „Zeug zum Spielen“ gibt nicht vor, wie und wozu man es verwenden soll – es regt den Erfindungsreichtum des Kindes an und ist vielseitig. Die Auswahl ist groß: Alltägliche Haushaltsgegenstände aller Art wie Töpfe, Löffel, Kartons, Tücher aber auch natürliche Materialien wie Steine, Stöcke und Blätter sind ideal.

Aus dem Ast wird ein Schwert, unter dem Tisch entsteht eine Höhle und das Küchensieb wird zur Krone – und bremsen sie ihr Kind nicht gleich aus, wenn es ihre Haushaltsartikel umfunktioniert.

3) Weg von Fernseher und Spielekonsole

Viele haben es schon geahnt – Fernsehen macht dumm. Zum einen nimmt es dem Kind sämtliche Kreativität und Auseinandersetzung mit sich selbst – statt aktiv etwas zu tun, wird es zum passiven Zuschauer. Es wird ja ständig berieselt und verliert es das Interesse, kann es schnell umschalten. Zum anderen sind Fernseher und Spielekonsole nur 2 dimensional und platt und überschreiben den Bildspeicher im Gehirn – die gerade gelernten Lateinvokabeln sind dann wieder vergessen.

Vor dem  Lernen oder Hausaufgaben machen sollte man mindestens die doppelte Zeit des Fernsehens draußen spielen und toben – das Gehirn braucht so lange, um aus der 2 wieder in die 3 Dimensionalität zu kommen. Und diese ist für Fächer wie Mathematik, Geographie und auch Kunst unerlässlich. Nach den Hausaufgaben sollte man 1 Stunde warten, damit das gerade Gelernte nicht wieder überschrieben wird.

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Wie knacke ich schwierige Schüler?

Ein Schüler stört, schwätzt, arbeitet nicht mit im Unterricht. Der Lehrer Michael Felten rät zu Verständnis und Verlockung.